Chris Bennett – Sängerin aus Leidenschaft

Ihre eigentliche Musikkarriere begann nicht mit Jazz, sondern mit Disco-Beats – Chris Bennett war, in der brodelnden Münchner Szene der ausgehenden 70er Jahre, Lead-Sängerin von „Munich Machine“, einer damals höchst erfolgreichen, von Giorgio Moroder produzierten Discogruppe. Heute kennt und liebt man sie als profilierte Jazzsängerin und -pianistin, die, ausgehend von ihrer „Homebase“ Kalifornien die Welt bereist und überall auf ihre Fans trifft. Auch nach Deutschland führen ihre Tourneen sie immer wieder.

Eine „One Man Show“, so der Titel eines ihrer zahlreichen, selbstgeschriebenen Stücke, sind ihre Bühnendarbietungen allerdings nicht – stets steht Bennett eine profilierte Band handverlesener Musiker zur Seite, die ihren variantenreichen Gesang genauso distinguiert zu unterstützen weiß, wie sie dem selbstbewussten Klavierspiel der Künstlerin Raum bietet. Doch bei einer Sängerin pflegt man in erster Linie auf die Stimme zu achten – und hier hat Chris Bennett in der Tat einiges zu bieten: geschmeidig, mal rau, mal glasklar im Timbre hat sie gleichzeitig einen Stimmumfang zur Verfügung, den sie voll ausspielen kann und der ihr bei der Wahl ihres Repertoires keine Schranken auferlegt. Demzufolge finden sich unter den Stücken ihres Livesets auch Songs der großen Komponisten wie George Gershwin, Hoagie Carmichael oder dem Team Rodgers/Hart, von Bennett kongenial interpretiert und nahtlos ihrem eigenen, ebenso gefühlvollem Material an die Seite gestellt.

Das kann hier problemlos mithalten – immerhin ist Chris Bennett auch eine Songschreiberin und Komponistin von Format, was sie schon in ihrer Münchner Zeit als Co-Autorin von Giorgio Moroder bewies, als sie karrierefördernde Stücke zu den Alben von Donna Summer, Suzi Lane oder den „The Three Degrees“ beisteuerte. Ebenfalls im Bereich Filmmusik zeigte sich ihr Händchen für den passenden Ausdruck: Als Sängerin/Songwriterin und Pianistin wurde Chris Bennett für den Giorgio-Moroder-Soundtrack „Midnight Express“ für einen Grammy nominiert. Zurück in den USA schrieb sie ab 1979 auch für Tina Turner, Manhattan Transfer oder Randy Hall und setzte sich schließlich für Keb Mo´s Album „Rainmaker“ selbst in den Produzentensessel.

Ihre eigene Karriere lenkte Chris Bennett jedoch wieder weg von der Popmusik, zurück zu ihrer angestammten Heimat, dem Jazz. Ein Fehler wird dies offensichtlich nicht gewesen sein – immerhin fielen bei Vergleichen schon bald die Namen berühmter Kolleginnen wie Peggy Lee, June Christy oder Anita O’Day.

Was für jede Jazzvokalistin schon ein Lob darstellen würde, bedeutet für Chris Bennett noch ein weiteres: die Anerkennung ihrer Eigenständigkeit als Interpretin und Entertainerin. Die großen Gesten sind dabei ihre Sache nicht – dieser Sängerin muss man schon aufmerksam zuhören, sie drängt sich einem nicht auf. Dass Chris Bennett jedoch die Bühne als ihren angestammten Raum betrachtet, schlägt sich auch in ihrer Diskographie nieder: bei zwei ihrer insgesamt sechs Jazzalben handelt es sich um pure Konzertmitschnitte – eindeutiges Zeichen dafür, dass die Künstlerin sich ihrer Live-Qualitäten sicher ist. Und auch ihres Publikums: „Please welcome … Chris Bennett!“

Carina Prange


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